Behandlungsmöglichkeiten bei HAE
Wie lässt sich HAE kontrollieren?
HAE ist eine sehr seltene Erkrankung. Nicht jeder Arzt und jede Ärztin kennt sie oder weiss, wie man sie behandelt. Daher ist es von Vorteil, wenn dich ein Spezialist oder eine Spezialistin in einem HAE-Zentrum betreut, der/die sich wirklich gut mit der Erkrankung auskennt und dich umfassend behandeln kann.
Bei der HAE-Vereinigung findest du eine Liste mit HAE-Experten und -Behandlungszentren.
Wie der Umgang mit der Erkrankung am besten gelingt, steht in der „Internationalen Leitlinie zum Management des Hereditären Angioödems 2021“.1 Dies ist ein Behandlungsleitfaden für Ärztinnen und Ärzte, der von führenden Fachgesellschaften erstellt wurde – in diesem Fall von der World Allergy Organization (WAO) und der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI).
Aktualisierte Leitlinie der WAO/EAACI1
Im Jahr 2021 ist die Leitlinie überarbeitet worden. Über eine Kooperation mit der HAE-Vereinigung haben auch Patientenvertreter/innen daran mitgewirkt, sodass neben dem Expertenwissen auch jahrelange, teils persönliche Erfahrungen mit der Erkrankung eingeflossen sind. Erschienen ist die aktualisierte Fassung im Januar 2022.
WAO/EAACI-Leitlinie – auf einen Blick1
Du musst die WAO/EAACI-Leitlinie nicht kennen, es schadet aber nicht. Denn dadurch fällt es leichter, eine aktive Rolle im Entscheidungsprozess einzunehmen, wenn es darum geht, gemeinsam mit deinem Arzt oder deiner Ärztin eine für dich passende Therapie auszuwählen.
Für den schnellen Überblick gibt es hier eine Zusammenfassung.
Die komplette aktualisierte Fassung der WAO/EAACI-Leitlinie gibt es bislang nur in englischer Sprache. Du findest sie hier.
Das sagt die Leitlinie zur Behandlung des HAE
Als Ziele der Behandlung definiert die WAO/EAACI-Leitlinie die totale Kontrolle der Krankheit bis hin zur Attackenfreiheit und die Normalisierung des Lebens der Menschen mit HAE1.
Beides kann derzeit nur mit einer Langzeitprophylaxe, also vorbeugenden Massnahmen erreicht werden. Dazu stehen mehrere Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung, die entweder gespritzt oder als Kapsel eingenommen werden und dadurch unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Neben Injektionen (intravenös oder subkutan, d. h. unter die Haut) wird die orale Therapie von Menschen mit HAE oft als besonders einfach wahrgenommen, da die Einnahme unabhängig und diskret erfolgt sowie die Kapseln nicht besonders gelagert werden müssen. Welche Therapie für dich am besten geeignet ist, entscheidest du gemeinsam mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.
Langzeitprophylaxe beim Arztbesuch besprechen
Die WAO/EAACI-Leitlinie sagt auch, dass dein Arzt oder deine Ärztin mit dir das Thema Langzeitprophylaxe bei jedem Termin besprechen soll.1 Um das richtige Medikament für dich zu finden und dein HAE bestmöglich zu kontrollieren, braucht er oder sie einige Informationen von dir. Zum Beispiel, wie die Therapie am besten in dein Leben passen würde, wie häufig du Attacken hast, wie sehr dich die Attacken belasten und welche Wünsche du rund um die Behandlung und dein Medikament hast. Grundsätzlich ist es wichtig, dass du im Alltag gut mit deiner Langzeittherapie zurechtkommst und dass deine Stimme bei der Auswahl der für dich passenden Therapieoption gehört wird.
Akutmedikation für Unvorhergesehenes oder medizinische Eingriffe
Da es trotz Langzeitprophylaxe sein kann, dass plötzlich eine Attacke auftritt, solltest du immer eine ausreichende Menge Akutmedikamente für mindestens zwei Attacken dabeihaben.1 Und auch einen Notfallausweis, damit Menschen, die keine Erfahrungen mit HAE haben, wissen was im Notfall zu tun ist.
Eine Vorlage zum Ausdrucken und Ausfüllen findest du bei HAE International.
Gut zu wissen
Leitlinien sind generell NICHT rechtlich bindend.
Der Arzt sollte sich nach ihnen richten, da sie die bestmögliche Therapie garantieren – muss es aber nicht. Weicht er davon ab, muss er seine Entscheidung jedoch begründen können.
Recht auf Mitsprache
Du hast ein Recht darauf, über deine Behandlung mitzuentscheiden.2,3 Und du darfst deinen Arzt oder deine Ärztin jederzeit nach Untersuchungsergebnissen fragen und um seine Einschätzung zum bisherigen Erfolg deiner aktuellen Behandlung bitten.
(1) Maurer M et al. The international WAO/EAACI guidline for the management of hereditary angioedema – the 2021 revision and update. Allergy. 2022;77:1961–1990
(2) Stiftung Gesundheitswissen: Auf Augenhöhe mit dem Arzt?
https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/patient-und-partner
(3) Patientenportal Verband forschender Pharma-Unternehmen: Shared-Decision-Making: Patient und Arzt entscheiden gemeinsam
https://www.vfa-patientenportal.de/service/patienten-arzt-kommunikation/shared-decision-making-patient-und-arzt-entscheiden-gemeinsam.html